Huldrych Zwingli reformiert und katholisch gezeichnet


Huldrych Zwingli reformiert und katholisch gezeichnet

Zwei Comics über den Zürcher Reformator

Meyer-Liedholz, Dorothea / Rickenbach, Kati (2011): Mit vollem Einsatz. Ein Comic über das Leben von Huldrych Zwingli, Zürich.
Eizenhöfer Rudolf / Staubach, Annett (2017): Zwingli. Ein Glaube versetzt Berge, Kinder- und Jugendmagazin «tut», Luzern.
Von Eva Ebel

Schon vor einigen Jahren erschien im Rahmen der Lehrmittel zum «Religionspädagogischen Gesamtkonzept» der reformierten Zürcher Landeskirche für die Klassenstufen 5 bis 7 ein Zwingli-Comic unter dem Titel «Mit vollem Einsatz» im Theologischen Verlag Zürich TVZ. Die Zeichnungen stammen von Kati Rickenbach, der Text von Dorothea Meyer-Liedholz. Anlässlich des Reformationsjubiläums haben nun die Herausgeber des katholischen Kinder- und Jugendmagazins «tut» eine gesamte Ausgabe als Zwingli-Comic gestaltet. Er trägt den Titel «Zwingli. Ein Glaube versetzt Berge» und bietet Zeichnungen von Rudolf Eizenhöfer und einen Text von Annett Staubach.

Die Comics unterscheiden sich stilistisch deutlich: Der «tut»-Comic kommt klar und farbenfroh, also eher kindgerecht daher, der Comic des TVZ ist im Vergleich dazu dunkler und erinnert eher an Karikaturen. Zugespitzt zeigt sich dieses in der Darstellung der Hauptfigur: Der Zwingli aus der Feder von Kati Rickenbach hat markante Gesichtszüge, vielfach eine ernste und kämpferische Miene und ist dunkelhaarig. Der von Rudolf Eizenhöfer gezeichnete Zwingli ist blond, hat zumeist eine freundliche und offene Mimik. Beiden Comics gemeinsam ist ein recht hoher Textanteil, der angesichts der komplexen historischen Thematik nahezu unvermeidbar ist. Einzelne Begriffe werden in einem Glossar bzw. in eingestreuten Informationskästchen erläutert.

Der TVZ-Comic hat eine Rahmenhandlung, die dem Zugang heutiger Kinder und Jugendlicher entspricht: Ein Mädchen, das mit ihrem Vater vor dem Züricher Grossmünster steht, findet im Internet den Hinweis auf Zürich als «Zwingli-Stadt», woraufhin der Vater mit einer Erklärung beginnt (S. 2). Am Ende kann sie dann selbst Touristen Auskunft geben (S. 32). Dem «tut»-Comic voran steht ein kurzer Einleitungstext der Herausgeber über den «Kirchenmann Ulrich Zwingli» (S. 2) und zum Abschluss wird ein Ausblick auf die Ökumene geboten (S. 34).

Der grösste Unterschied liegt in der jeweils erzählten Zeit: Der katholische Comic beginnt mit Zwinglis Geburt in Wildhaus und schliesst mit dessen Tod auf dem Schlachtfeld bei Kappel. Der reformierte Comic beschränkt sich auf das Wirken des Reformators in Zürich und wird insofern durch das neue katholische Produkt, das auch den vorreformatorischen Zwingli ins Bild setzt, sinnvoll ergänzt.

Interessant wird es dann, wenn dieselbe Episode in beiden Comics erzählt wird oder unterschiedliche Perspektiven deutlich werden. Aufschlussreich ist beispielsweise die Darstellung des «Wurstessens»: Der reformierte Comic (S. 11–13) betont Zwinglis Kritik an der Verpflichtung zum Fasten und dem nur Wohlhabenden möglichen Freikauf von dieser Pflicht. Der katholische Comic (S. 16–21.28f.) legt den Akzent auf die fehlende biblische Grundlage des Fastengebots und die Verhöhnung des Abendmahls beim Wurstessen. Bemerkenswert ist auch der unterschiedliche Umgang mit den sogenannten «Schattenseiten» der Reformation: Während in der katholischen Variante des Lebens Zwinglis die Täufer überhaupt nicht erwähnt werden, zeigt die ausführliche und mehrperspektivisch angelegte Darstellung in der reformierten Fassung (S. 17–19.23–25) das Ringen Zwinglis mit dem radikalen Flügel der Reformation und spiegelt so das Ringen der heutigen Reformierten mit der Rolle Zwinglis in dieser Auseinandersetzung.

Diese Beispiele mögen belegen, dass aus der Sicht von Lehrpersonen das Vorliegen beider Comics höchst erfreulich ist. Ihre Kombination ermöglicht es, das gesamte Leben Zwinglis mit Schülerinnen und Schülern mittels attraktiver Materialien zu erschliessen. Einzelne Sequenzen können dazu genutzt werden, konfessionellen Unterschieden etwa bei der Gestaltung des Kirchenraumes nachzugehen und diese historisch zu verorten. Weiterführend können durch die Gegenüberstellung beider Comics die damaligen und heutigen konfessionellen Perspektiven erarbeitet werden. Mit solchen variierenden Intentionen sind die Comics über Huldrych Zwingli als Ganzschrift oder in Auszügen von der Mittelstufe bis zur Sekundarstufe II einsetzbar.

Artikelnachweis
Ebel, Eva (2017): Huldrych Zwingli reformiert und katholisch gezeichnet. Zwei Comics über den Zürcher Reformator, in: erg.ch – Materialien zum Fach Ethik, Religionen, Gemeinschaft (Online-Publikation), www.ethik-religionen-gemeinschaft.ch/ebel-huldrych-zwingli/

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