Advent und Weihnachten im Kontext Schule und ERG-Unterricht


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Advent und Weihnachten im Kontext Schule und ERG-Unterricht

Einige pädagogisch-didaktische Überlegungen

Die Zeit von Advent und Weihnachten tangiert die Schule und den schulischen Unterricht auf vielfältige Weise. Wie soll sich die Schule als Institution dieser Festtradition und ihren Bräuchen gegenüber verhalten und welche Möglichkeiten bietet hierzu der ERG-Unterricht? Diesen Fragen ist ein Team von Mitarbeitenden der PHBern nachgegangen und hat als Diskussionsgrundlage entsprechende pädagogisch-didaktische Überlegungen angestellt.
Von Andreas Kessler, Jacqueline Hindle, Sarah Gfeller, Matthias Kuhl und Andreas Studer

Einleitung

Überall Advent und Weihnachten

Ob wir wollen oder nicht, an Advent und Weihnachten kommen wir – zumindest im öffentlichen Raum – nicht vorbei. In vielfältiger Form wird diese ursprünglich christliche Festtradition begangen bzw. an sie angeschlossen: Lichtdekorationen an Geschäften und an Privatbalkonen, Weihnachtsmärkte, Aktionsadventskalender der grossen Detailhändler, Hinweise auf Weihnachtskonzerte, intensivierte Spendenaktionen von Hilfswerken und vieles mehr bis hin zum öffentlichen Singen der Heilsarmee. Aber auch im halböffentlichen und privaten Raum wird die Weihnachtstradition vielfältig bespielt: vom Weihnachtsessen einer Firma über das Kerzenziehen der Quartiergruppe, die Pfadfinderweihnacht, das digitale Adventskalenderrätselspiel für die Mitarbeitenden einer Hochschule bis hin zum Guetzli-Backen innerhalb der Familie oder einer Wohngemeinschaft. Dabei treten unterschiedliche Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen auf: Einzelpersonen, Familien, Gruppen, Vereine, Firmen, Institutionen, Religionsgemeinschaften etc.

Advent und Weihnachten jenseits christlicher Bezüge

Die Zeit um Advent und Weihnachten ist nicht nur eine explizit christlich geprägte Festzeit, sondern ist verbunden mit vielen anderen Bezügen. In unseren Breitengraden spielen z. B. die klimatischen Bedingungen eine wichtige Rolle: Es ist Winter, kalt, manchmal schneit es noch und es ist schnell dunkel, so dass sich mit dieser Zeit – natürlich auch verbunden mit adventlich-weihnächtlichen Traditionen – eine Sehnsucht nach Licht, Wärme, Behaglichkeit, Sentimentalität und Liebe einstellt, die ihrerseits kommerziell wie popkulturell bedient wird. Ebenso prägen schon seit langem nordisch-skandinavische bzw. amerikanische Traditionen von Bildern und Liedern die Zeit um Advent und Weihnachten, so dass Weihnachtsmann, Rentiere und bewusst nichtchristliche Lieder wie «Jingle Bells» Teil der hiesigen Dezemberkultur wurden, ebenso wie der Coca-Cola-Mann oder die jährlichen Werbenarrative der grossen Detailhändler über Plakatwände und Fernsehwerbung diese Zeit mitprägen. Und damit ist noch nichts darüber gesagt, was alles auf den sozialen Medien in Bezug auf Advent und Weihnachten repräsentiert, remontiert, dekonstruiert etc. wird. Es ist diese nicht immer klar zu fassende Mixtur aus religiösen, privaten, (pop-) kulturellen, klimatischen und kommerziellen Elementen, die aus Advent und Weihnachten eine insgesamt aufdringliche Zeit machen, der wir uns kaum entziehen können.

Advent und Weihnachten und Schule

Die Institution Schule ihrerseits kann oder will sich der Weihnachtstraditionen offensichtlich nicht entziehen und also findet sich in zahlreichen Schulhäusern eine Vielzahl von direkten und indirekten Bezügen auf diese Festtraditionen: Weihnachtsdekoration, Tannenbaum, Adventskranz, Wichteln, Comic-Adventskalender, Adventsfenster, Weihnachtsfeiern etc. Diese z. T. starken Referenzen an Advent und Weihnachten mögen einerseits erstaunen, soll doch die Schule konfessionell neutral sein und die negative Religionsfreiheit (das heisst die Freiheit, religiös nicht beeinflusst zu werden) ihrer Akteur*innen schützen und garantieren (vgl. BV 15,4). Andererseits manifestiert sich im schulischen Bespielen der Kulturtradition Advent und Weihnachten auch eine gewisse (unreflektierte?) Selbstverständlichkeit, die ihrerseits offensichtlich auf einer breiten gesellschaftlichen Zustimmung fusst oder zumindest – vielleicht auch aus Desinteresse – keine grosse Gegenwehr zu befürchten hat. Zwar kommt es immer wieder zu u. a. medienwirksamen «Fällen», wenn z. B. eine Schule ein obligatorischen Weihnachtssingen vorsieht, aber im Grossen und Ganzen scheinen die unterschiedlichen schulischen Weihnachtskulturen nicht nachhaltig zu irritieren. Im Gegenteil: Liest man verschiedene Statements von Schulleiter*innnen, Standesvertreter*innen und Politiker*innen, fällt auf, dass Weihnachten als Teil der sog. abendländisch-christlichen Tradition unbedingt seinen Platz in der Schule haben soll (vgl. Wüthrich 2019).

Die Tradition von Advent und Weihnachten bietet auch die Möglichkeit, die entsprechende Zeit festlich zu begehen, d. h. diese bestimmte Zeit als eine besondere Zeit zu erleben, umso mehr als sie gleichzeitig das kalendarische Jahresende implizit mitdenkt. Viele Schulen nutzen daher Advent und Weihnachten als Festzeit und damit auch die Potenziale des Festes: Gemeinschaftsbildung, Wohlbefinden, Atmosphäre.

Schule als Institution und schulischer (ERG-) Unterricht

Die folgenden pädagogisch-didaktischen Überlegungen haben im ersten Teil zum Ziel, den Umgang mit Advent und Weihnachten an der Institution Schule zu reflektieren und drei Szenarien zu entwickeln, wie diese Festzeit im Kontext der Institution Schule didaktisch bewusst begangen werden kann.

Die Ausführungen beachten die rechtlichen Rahmenbedingungen (BV) sowie die entsprechenden Empfehlungen der Bernischen Erziehungsdirektion (ERZBE 2009) und des Schweizerischen Lehrer*innenverbandes (LCH 2008). Jedoch soll in den folgenden Reflexionen keinem übervorsichtigen oder gar rigiden Legalismus das Wort geredet werden, sondern die verschiedenen schulkulturellen Szenarien sowie die didaktischen Möglichkeiten im Fach ERG sind aus pädagogischen wie didaktischen Gründen stets mit Augenmass, Kompromissbereitschaft und einer Portion Unschärfe gepaart.

Im zweiten Teil fokussieren die vorliegenden Überlegungen auf die Möglichkeiten, Advent und Weihnachten im Rahmen des Faches ERG (bzw. als Fachbereich von NMG) zu thematisieren.

Teil 1: Advent und Weihnachten im Kontext der institutionellen Schulkultur

A) Grundlegende Überlegungen: Drei Szenarien

Wenn im Folgenden von institutioneller Schulkultur die Rede ist, dann betrifft dies als Akteur*innen die Schulleitung, das Gremium der (Spezial-) Lehrpersonen, Sozialarbeitende, sowie das administrative und gebäudetechnische Personal. Idealtypisch gehen wir davon aus, dass die jeweilige Wahl eines Szenarios eine bewusste (!), von allen Akteur*innen getragene und in letzter Verantwortung von der Schulleitung kontrollierte Wahl ist. Nur so kann die jeweilige Schulkultur gegen innen wirken und gegen aussen (Eltern, Behörden, Medien etc.) transparent dargelegt, erklärt und gerechtfertigt werden.

Überhaupt scheint uns dies das Wichtigste zu sein in der Auseinandersetzung rund um die weihnächtliche Schulkultur: dass die Entscheidungen, wie Advent und Weihnachten an der Schule (nicht) begangen werden, bewusste und entsprechend gut begründete Entscheidungen sind.

Szenario 1: säkular (oder: Advent und Weihnachten findet nicht statt)

Ein erstes – «säkular» genanntes – mögliches Szenario besteht darin, dass Advent und Weihnachten nicht stattfindet, das heisst, dass auf jegliche performative Form der Bezugnahme (als sinnlich wahrnehmbare Repräsentation) auf dieses ursprünglich christliche Fest bewusst verzichtet wird: Keine weihnächtliche Dekoration, keine schulische Weihnachtsfeier, kein Adventskranz, aber auch kein an den Adventskalender angelehntes Wichteln etc.

Mögliche Argumente
  • Das säkulare Szenario nimmt die in der Bundesverfassung garantierte negative Religionsfreiheit ernst und schützt durch Verzicht auf christliche Traditionselemente alle Mitglieder einer Schule in ihrer weltanschaulichen und religiösen Integrität. Gerade mit Blick auf den weltanschaulichen Pluralismus unter Angestellten und Schüler*innen kommt diesem Argument eine zusätzliche Dringlichkeit zu.
  • Die Schule ist der konfessionellen Neutralität verpflichtet, d. h. auch, sie bevorzugt nicht einseitig eine bestimmte Religionskultur. Ein solche einseitige Bevorzugung (man könnte auch von Diskriminierung anderer Religionsangehöriger sprechen) liegt aber vor, wenn Advent und Weihnachten eine sinnliche Repräsentation zugestanden wird, dasselbe aber nicht auch mit nicht-christlichen Feiertagen und Festzeiten geschieht.
  • Das säkulare Szenario respektiert die christliche Festtradition als in christlichen Familien und Religionsgemeinschaften begangene besondere Zeit. Die öffentlich-rechtliche Schule ihrerseits masst sich daher nicht auch noch an, die Festzeit Advent und Weihnachten in eigener Regie zu deuten, sondern überlässt die Deutungshoheit den christlichen Akteur*innen.
  • Das säkulare Szenario führt zwangsläufig zu einem Effekt der Nicht-Repräsentation. Daraus lässt sich das Argument ableiten, dass die Schule nicht nur als ein performativ religionsfreier Raum, sondern im Kontrast zum öffentlichen Raum als auch kommerzfreier, ruhiger Raum gelesen wird. Oder: Die gebotene weltanschauliche Neutralität der Schule zeigt sich auch darin, kein Votum für eine Kultur von Konsum und Kommerz abzugeben.

Auch wenn zumindest die ersten beiden Argumente gewichtig und entsprechend ernst zu nehmen sind, mögen sie je nach Schule und Schulkultur in ihrem Anspruch dennoch überzogen sein. Man stelle sich eine Schule vor, die kaum von religiösem Pluralismus seitens der Schüler*innen geprägt ist und die seit Jahren gewisse Weihnachtstraditionen pflegt, ohne dabei irgendwelcher Kritik begegnet zu sein, eher im Gegenteil. In einer solchen Situation z. B. als neue*r Schulleiter*in das säkulare Szenario zu forcieren, wäre nicht angemessen, sondern würde eher unnötigen Streit generieren. Gleichwohl muss aber eine solch alteingesessene, traditionelle Kultur sich bewusst sein, dass sie je nachdem eigentlich nur bis auf Widerruf gepflegt werden kann. Womit wir beim nächsten Szenario sind.

Szenario 2: traditionell (oder: Advent und Weihnachten findet «einfach» statt)

Das zweite – «traditionell» genannte – Szenario ist jenes, das zurzeit wohl an den meisten Schulen in unterschiedlicher Intensität gelebt wird: Advent und Weihnachten findet insofern statt, als dass Dekorationselemente wie Tannenbaum, Sterne, Kerzen, Weihnachts- und Coca-Cola-Männer mit Schlitten ziehenden Rentieren etc. die Schule als Raum bestimmen. Aber auch schulkulturelle Klassentätigkeiten wie z. B. das Wichteln (in Anlehnung an die Adventskalendertradition) oder die Teilnahme am Quartier-Adventskalender werden gepflegt. Auch kommt es vor, dass für eine gemeinsame schulische Schlussfeier vor Weihnachten eine Kirche angemietet wird (z. T. aus Platzgründen) und ein veritables Weihnachtssingen stattfindet. Die Absicht dieser verschiedenen Formen von Partizipation ist keine explizit religiöse, sondern die Schule spiegelt bzw. verdoppelt gesellschaftliches Advents- und Weihnachts-Brauchtum und wird so zur Bewahrerin und Vermittlerin einer bestimmten Tradition. All dies geschieht quasi selbstverständlich und z. T. auch ganz bewusst.

Mögliche Argumente
  • Das traditionelle Szenario partizipiert bewusst und ohne religiöse Absicht an Tradition und Brauchtum der schweizerischen Gesellschaft und ermöglicht so allen Schüler*innen Wahrnehmung, Teilhabe und entsprechende Sozialisation bis hin zur Integration.
  • In Aufnahme der traditionellen wie auch moderneren Advents- und Weihnachts-Elemente repräsentiert die Schule insgesamt ein Brauchtum, zu dem sich die Schüler*innen in Beziehung setzen können, das heisst, es trägt direkt wie indirekt zur Bildung bei.
  • Die Wünsche der unterschiedlichen Akteur*innen werden ernst genommen, wenn diese wünschen, diese spezielle Zeit auch entsprechend zu begehen und z. B. nicht auf Kerzenschein, Tannenzweige etc. verzichten wollen.

Nichtreligiöse Traditionspartizipation und entsprechende gesellschaftliche Sozialisation mögen als Argumente für dieses Szenario gelten, und es gibt viele Schulen, die mit einer solchen Begründung ihre Gestaltung von Advent und Weihnachten zu rechtfertigen versuchen. Aber selbst, wenn keine religiöse Absicht da ist, ist das kulturelle Szenario stets in Gefahr mit Blick auf einzelne Schüler*innen übergriffig zu werden im Sinn der Nichtbeachtung der negativen Religionsfreiheit. Dessen muss sich das traditionelle Szenario bewusst sein und auf Korrekturwunsch von Schulpersonal sowie Eltern entsprechend reagieren können. In einem diesbezüglichen Konfliktfall auf einem traditionellen Szenario zu beharren ist nicht zielführend, selbst wenn rechtlich nicht alle Fragen geklärt sind. Jedoch scheint auch Fakt zu sein, dass die traditionellen Advents- und Weihnachts-Elemente kaum irritieren, sondern vom Lehrpersonal, den Schüler*innen und den Eltern geschätzt und erwünscht sind. Dennoch: Man könnte sich fragen, ob man in anderer Form und einem anderen Verständnis Advent und Weihnachten begehen kann. Womit wir beim nächsten Szenario sind.

Szenario 3: kulturell (oder: Advent und Weihnachten findet als «phänomenale» Zeit statt)

Das dritte – «kulturell» genannte – Szenario nimmt ernst, dass die Zeit von Advent und Weihnachten in der schweizerischen Gesellschaft als eine speziell «aufgeladene» Zeit gilt, so dass eben auch die Schule an Advent und Weihnachten nicht vorbeikommt. In dieser Situation hält sich die Schule aber bewusst nicht von allem Adventlich-Weihnächtlichen fern (säkulares Szenario) noch spiegelt sie dieses auf irgendeine Weise (traditionelles Szenario), sondern sie sucht in den Traditionen rund um Advent und Weihnachten nach Phänomenen und Erfahrungen, die alle Menschen betreffen, um diese pädagogisch-didaktisch zu inszenieren. Solche Phänomene sind z. B. Warten, Schenken, Kaufen, Flüchten, Gefahr/Rettung, hell/dunkel bzw. Licht/Finsternis, klein/gross, kalt/warm, Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit, Gastfreundschaft, Hoffnung, Sterne, Kitsch, Traditionen etc. Man kann sich das so vorstellen, dass eine Schule jährlich die Zeit um Advent und Weihnachten unter ein Motto bzw. Thema stellt und dementsprechend sowohl das Schulhaus bespielt als auch innerhalb der Klassen thematische Performanzen plant (z. B. Kerzenziehen beim Thema hell/dunkel).

Mögliche Argumente
  • Das kulturelle Szenario respektiert und affirmiert Advent und Weihnachten als spezielle Zeit, vermag jedoch alle an einer Schule Tätigen nichtdiskriminierend anzusprechen, weil es von Erfahrungen ausgeht, die alle Menschen betreffen.
  • Das kulturelle Szenario steht in Verbindung zu den gesellschaftlich gelebten Traditionen, jedoch werden diese – anthropologisch gewendet – thematisch gerahmt, so dass Neues erfahren, reflektiert und gelernt wird, d. h. Bildung geschieht.

Wenn auch das kulturelle Szenario eine valable, innovative und reizvolle Möglichkeit darstellt, Advent und Weihnachten zu begehen, liegt es auf der Hand, dass dieses Szenario aufwändig ist und einer sehr guten Vorbereitung und entsprechender Absprachen bedarf. Hier müssen wirklich alle Akteur*innen am gleichen Strick ziehen, damit etwas erkennbar Neues und Alternatives entsteht sowie erlebbar wird. Je nach Verständnis von religiöser Neutralität könnte auch hier eingewendet werden, dass das kulturelle Szenario einer indirekten Religionisierung entspricht, weil aus einer bestimmten religiös-kulturellen Tradition Elemente herausgeschält und als allgemein menschlich behauptet werden.

Szenario 4: religiös (oder: Advent und Weihnachten darf so nicht stattfinden)

Das vierte – «religiös» genannte – Szenario ist keine Option, wenn hier über das traditionelle Szenario hinausgehend eine bewusste religiöse (Bekehrungs-) Absicht vorliegt. Wo hier genau die Grenzen zu ziehen sind, muss von Fall zu Fall beurteilt werden. Vieles, das innerhalb des traditionellen Szenarios immer noch als selbstverständlich gilt (z. B. ein obligatorisches Weihnachtssingen von christlichen Weihnachtsliedern ausserhalb des Stundenplans), kann auch als illegitimes religiöses Szenario gelesen werden, erst recht, wenn dahinter eine Form von Motivation steht wie: «Es geht ja darum, unsere christlichen Werte und Traditionen zu pflegen.» Aber selbst eine solche Haltung würde wohl noch nicht streng als «religiös» gelesen, wenn nicht die Absicht der Bekehrung bzw. der massiven Einflussnahme gegeben ist. Ein Rechtsanwalt etwa schreibt: «Weihnachtslieder zu singen oder an einem Krippenspiel teilzunehmen, gilt nicht als religiöser – das heisst bekenntnishafter – Akt, solange dies nicht in einem Übermass geschieht und damit keine Bekehrung beabsichtigt wird.» (Merker, in: Wüthrich 2019, S. 18). Aber wo beginnt das Übermass und wer bestimmt darüber?

Fazit

An Advent und Weihnachten kommt man als Schule aus all den bisher genannten Gründen nicht vorbei. Aber wie gestaltet man als Schule diese spezielle Zeit? Wir haben drei Szenarien skizziert, die wir alle für valabel und gangbar halten. Wichtig ist uns, dass in Zeiten der weltanschaulichen Diversität der Entscheid für eines der Szenarien ein bewusster Entscheid ist, der innerhalb der Schule gemeinsam abgesprochen und entsprechend gegen aussen kommuniziert werden kann. Vor allem das traditionelle Szenario sehen wir mit Blick auf die Zukunft unter einem gewissen Rechtfertigungsdruck, ohne es jedoch gänzlich ausschliessen zu wollen.

B) Konkretionen: Umgang mit Brauchtum rund um Advent und Weihnachten

Die schulische Kultur rund um Advent und Weihnachten zeigt sich in sehr vielfältigen Bezugnahmen auf christliches bzw. christlich gefärbtes Brauchtum. Diese Bezugnahmen geschehen an zahlreichen Schulen wie selbstverständlich innerhalb des sogenannten «traditionellen Szenarios» (Szenario 2).

Diese Vielfalt soll im Sinn eines abwägenden Kommentars kurz gesichtet und kritisch beurteilt werden. Wichtig ist uns dabei, dass wir keine dieser Praktiken disqualifizieren oder gar verbieten, sondern in ihrer Selbstverständlichkeit hinterfragen wollen. Die kritischen Anfragen sind als Unterstützung der Lehrpersonen und Schulleitungen zu verstehen, ihre schulische Kultur rund um Advent und Weihnachten zu reflektieren.

Wir sind uns bewusst, dass je nach Kontext die Infragestellung gewisser Praktiken ins Leere läuft, weil eben z. B. das traditionelle Szenario gesellschaftlich stark verankert ist. Es gibt aber auch Kontexte, in denen Lehrpersonen, Lernende wie Erziehungsberechtigte vermehrt befremdet einem weihnächtlichen Brauchtum an der Schule gegenüberstehen und entsprechende Fragen stellen.

Veranstaltungen ausserhalb des Stundenplans

Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern (heute Bildungs- und Kulturdirektion) hält in ihrem Leitfaden von 2009 fest: «In Kindergarten und Volksschule sind Veranstaltungen ausserhalb des Stundenplans nicht obligatorisch. Ein Kind darf solchen Anlässen deshalb ohne Dispensationsgesuch fernbleiben.» (ERZBE 2009, S. 4) Das heisst, dass z. B. die Teilnahme an einer Weihnachtsfeier, einem Weihnachtssingen oder an der nächtlichen Öffnung des schul- oder klasseneigenen Adventsfensters ausserhalb des Stundenplans nicht obligatorisch ist. Es kann gefragt werden: Löst ein entsprechendes Angebot nicht einen gewissen Gruppendruck aus, so dass sich einzelne Lernenden zur Teilnahme gedrängt fühlen könnten?

Nun gibt es aber viele Schulen, bei denen solche Veranstaltungen seit Jahren nicht nur selbstverständlich gefeiert werden, sondern sogar eine gesellschaftlich-kulturelle Erwartung besteht, dass z. B. jedes Jahr ein Weinachtssingen der Oberstufe am dritten Dienstag im Dezember um 19 Uhr in der örtlichen Kirche veranstaltet wird. Ob dies ausserhalb des Stundenplans geschieht oder nicht, ist weder für Schulleitung, Lernende wie Erziehungsberechtigte ein Problem. Jedoch sollten die Schulen auf mögliche entsprechende Anfragen vorbereitet sein.

Nutzung von Kirchen

Es kann vorkommen, dass eine Schule (meistens aus Platzgründen) für eine obligatorische Weihnachtsfeier die örtliche Kirche nutzt. Diese Praxis kann aus mehreren Gründen kritisch hinterfragt werden:

  • Eine Kirche ist ein klar christlich definierter Raum mit entsprechender Symbolik. Wenn man sich als Schule für eine Feier in diesen Raum begibt, schafft man da nicht eine institutionelle Unschärfe bzw. rahmt im eigentlichen Sinn auf christliche Weise das, was dort von Seiten der Schule gefeiert wird?
  • Wird nicht die negative Religionsfreiheit z. B. von Muslim*innen, Zeug*innen Jehovas aber auch von solchen, die auf Religion verzichten, zumindest geritzt?
  • Gibt es keine Möglichkeiten, für einen solchen Anlass einen alternativen Raum zu finden (z. B. open air, Turnhallen etc.)?

«Weihnachtsfeier»

Viele Schulen kennen eine sog. «Weihnachtsfeier», die auf unterschiedlichste Weise begangen wird. Oft geht es bei einer solchen Feier darum, dass die gesamte Schule in einem Raum zusammenkommt, es werden (meist von der Schulleitung) Ansprachen gehalten, manchmal tragen Lernende thematisch etwas bei, und nicht zuletzt werden oft auch Lieder gesungen. Einige dieser Feiern sind stark dem traditionellen Szenario verpflichtet, weil sie eben wirklich eine Form schulischer Weihnachtsfeier darstellen, während andere quasi eine Jahresschlussfeier veranstalten, die direkte Bezüge zur christlichen Weihnachtstradition bewusst vermeidet, aber irgendwie doch von der Stimmung rund um Advent und Weihnachten zehrt.

Gegen die Idee, dass die Schule als Ganze, als Gemeinschaft sich vor dem Jahresende versammelt und gemeinsam etwas Spezielles veranstaltet, ist nichts einzuwenden. Jedoch kann gefragt werden:

  • Sollte man nicht vom Begriff «Weihnachtsfeier» absehen, weil dies nahelegt, dass hier performativ in einer bestimmten Religionstradition gehandelt wird?
  • Könnte es sich die Schule nicht vielmehr zur Aufgabe machen, eine Fest- und Ritualkultur zu etablieren, welche die jeweiligen gesellschaftlichen wie schulischen Übergänge feiert: z. B. Schulanfang im Herbst, Jahresende im Dezember, Schulschluss vor den Sommerferien?
  • Gibt es nicht genug Möglichkeiten, privat an «Weihnachtsfeiern» teilzunehmen (von der privaten Feier bis zur Pfadiweihnacht), so dass es nicht Aufgabe der säkularen Schule ist, eine eigentliche «Weihnachtsfeier» zu begehen?

Weihnachtslieder

Rechtlich gesehen spricht nichts gegen das Singen von Weihnachtsliedern, allerdings «ist nach den konkreten Umständen eine Dispensation andersgläubiger Kinder zu prüfen.» Diese Dispensation betrifft nach einem Urteil des Bundesgerichts jedoch nur das Mitsingen, nicht die Anwesenheitspflicht im Schulzimmer, da Art. 15 der Bundesverfassung «grundsätzlich keinen Anspruch auf nicht konfrontiert werden mit den religiösen Handlungen anderer verleiht.» (Bucher 2019).

Entscheidend ist der Kontext: Bei einer sog. «Weihnachtsfeier» (s. o.) oder einem «Weihnachtssingen» stellt sich tatsächlich die Frage, ob hier nicht ein performativer Akt in christlicher Tradition vorliegt. Merkwürdig wird es zudem, wenn die Mehrzahl der Lernenden nicht in der christlichen Tradition sozialisiert ist, was jedoch heute an mehreren Schulen der Fall ist.

Krippenspiel

Das Krippenspiel ist an vielen Kindergärten und Schulen immer noch sehr beliebt. Das Krippenspiel ist eigentlich ein Theaterstück, das die Geschichte rund um die Geburt des Jesus von Nazareth zur Aufführung bringt. Insofern gehört das Krippenspiel in die Tradition des Schultheaters, die aus vielen guten Gründen zu unterstützen ist. Mit Blick auf die Inhalte dieses Theaters kann allerdings gefragt werden:

  • Macht es Sinn, eine Tradition an der säkularen Schule weiterzuführen, die ihrerseits viel von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verloren hat? Selbst wenn sich die Bevölkerung stark für eine schulische Krippenspielpraxis ausspricht (Bucher 2016), wäre zu fragen: Hat die Schule die konservatorische Aufgabe, quasi als Denkmalpflegerin christliches Brauchtum zu erhalten?
  • Sollten Erziehungsberechtigte, die wollen, dass ihre Kinder ein Krippenspiel aufführen, nicht an entsprechende Kirchgemeinden oder Theatervereine weiterverwiesen werden?

Adventsfenster, Adventskalender, Adventskranz

Es kommt nicht selten vor, dass Schulen bzw. einzelne Schulklassen mit einer ausgewählten Fensterfront Teil eines öffentlichen, meist auf das Quartier bezogenen Adventskalenders sind. Dabei wird gegen Abend das jeweilige Fenster illuminiert und es gibt in der Regel etwas zu essen und zu trinken. Abgesehen vom Problem eines solchen Anlasses ausserhalb des Stundenplans (s. o.) stellt sich hier folgende Frage:

  • Wird die Schule/Schulklasse mit Ihrer Teilnahme nicht performativ Teil einer traditionell christlich gerahmten Praxis, umso mehr, als ein solcher Fensterkalender bis zum 24. Dezember reicht bzw. dort seinen eigentlichen Zielpunkt hat?

Dasselbe gilt für Adventskalender innerhalb des Schulgebäudes oder des Schulzimmers. Selbst wenn diese z. B. täglich ein neues Produkt aus dem BG-Unterricht präsentieren und somit keinen direkten christlichen Hinweis transportieren, stellt sich die Frage:

  • Warum muss hier eine Tradition aufgenommen werden, die klar auf das Weihnachtsfest ausgerichtet ist?
  • Muss die Schule an einer Praxis partizipieren, die als Adventskalender im öffentlichen Raum, in Geschäften, zu Hause etc. bereits in vielen Formen stattfindet?

Schliesslich ist zu fragen, ob ein Adventskranz im Schulgebäude oder im Schulzimmer am rechten Platz ist:

  • Sollte die Schule nicht verzichten auf einen Ausdruck einer spezifisch christlichen Symbolik, die zudem mit dem jeweiligen Adventssonntag verbunden ist?

Weihnächtliche Dekoration von Schulgebäude und Schulzimmer

Das vorweihnächtliche Schmücken des Schulgebäudes und der Schulzimmer zeigt sich in unterschiedlichsten Formen. Hier stellen sich folgende Fragen:

  • Woran partizipieren die Schulen mit ihren Dekorationen: an einer Stimmung, einer marktgetriebenen Kampagne, einer kulturellen Konvention oder gar an einem christlichen Fest?
  • Soll die Dekoration jenen Akteur*innen, die eine bestimmte (religiöse, kulturelle, ökonomische) Absicht mit Weihnachtsdekorationen verfolgen, überlassen werden?
  • Worin würde die konkrete Absicht der Schule als Akteurin bestehen?
  • Verdoppelt die Schule ohne Not etwas, dem die Lernenden in ihrem Alltag sowieso begegnen?

Wichteln

Das «Wichteln» ist ein vorweihnächtlicher, ursprünglich nordischer christlicher Brauch, der vor allem die Geschenktradition von Advent und Weihnachten bespielt: Lernende machen sich gegenseitig kleine Geschenke, ohne dass sie selbst wissen, von wem sie beschenkt werden (das Los entscheidet). Dieser Brauch ist an den Schulen sehr beliebt, er hat zudem durch das Zufallsprinzip einen gewissen pädagogischen Wert und er wird von den Lernenden eher nicht als «weihnächtlicher» Brauch verstanden, selbst wenn er darin seinen Ursprung hat. Hier ist zu fragen:

  • Will die Schule eine vorweihnächtliche, mitunter stark konsumgetriebene Geschenktradition bewusst aufnehmen?

«Samichlous»

Nicht wenige Schulen haben ihre eigenen Samichlous-Traditionen, die bisweilen mit einem gewissen Spassfaktor verbunden sind, u. a. weil sie die Samichlous-Tradition leicht ironisieren. Aber auch verzaubernde, ernsthafte, im besten Sinn kindliche Auftritte von Samichlous mitsamt Esel finden etwa in Kindergärten statt. Diese Bräuche knüpfen an die christliche Heiligenverehrung an, hier ausgehend vom Gedenktag des Heiligen Nikolaus von Myra am 6. Dezember. Dabei kann gefragt werden:

  • Wird mit dem Auftritt des Samichlous an der Schule nicht etwas an die Schule delegiert, das als ein an die christliche Heiligenverehrung anknüpfendes Brauchtum im Entscheidungsbereich der Erziehungsberechtigten liegt?
  • Verdoppelt die Schule nicht ohne Grund eine Praxis, die von Warenhäusern, Samichlousvereinen, Quartiervereinen und Kirchen sowieso angeboten wird?

Feste der Religionen

Nicht nur an Schulen, in denen Advent und Weihnachten mit intensiven Bezugnahmen auf die christliche Tradition gefeiert wird, stellen sich verschiedene weitergehende Fragen:

  • Wie gehen wir mit den vielfältigen Festtraditionen von Lernenden um, die nicht christlich geprägt sind?
  • Soll die Schule alle jeweiligen Festtraditionen bespielen?
  • Soll sie alle Festtraditionen ignorieren?
  • Welche Feste soll sie aufnehmen, aus welchen Gründen und in welchen Formen?

Der genuine Ort für die Auseinandersetzung mit Advent und Weihnachten und anderen religiösen Festen und Feiertagen der verschiedensten Religionskulturen ist wohl nicht die institutionelle Schulkultur, sondern der schulische Unterricht im Fachbereich NMG (1.–2. Zyklus) bzw. ERG (3. Zyklus). Wie diesbezüglich Advent und Weihnachten thematisiert werden kann, wird im zweiten Teil ausgeführt.

Teil 2: Advent und Weihnachten im Kontext des ERG-Unterrichts

Die folgenden Vorschläge sind dazu gedacht, Advent und Weihnachten als christliche Festzeit (und Teil des Kirchenjahres) im Fach NMG bzw. ERG unterrichtlich zu thematisieren und zu bearbeiten.

Handlungsaspekte

Die Vorschläge für eine unterrichtliche Thematisierung von Advent und Weihnachten nehmen Bezug auf die im Lehrplan 21 festgehaltenen Handlungsaspekte für den Fachbereich NMG.

Kompetenzen

Sie orientieren sich im Konkreten an den im Lehrplan21 formulierten Kompetenzen NMG 12.1-5 sowie ERG 4.1-5. Die einzelnen Bezugskompetenzen werden in der nachfolgenden Übersicht bei den zugehörigen thematischen Aspekten ausgewiesen.

Umgang mit Texten

Im Rahmen von «Advent und Weihnachten» im Fach NMG bzw. ERG werden die biblischen Geschichten thematisiert. Dabei wird ein Verständnis der biblischen Botschaften und Bilder vermittelt, bei dem diese Botschaften nicht als historische Tatsachenberichte gelesen werden, sondern als Texte, die historisch-kritisch in ihre Entstehungszeit eingebettet und auf ihre möglichen Funktionen in Bezug auf das menschliche Leben und seine mögliche Strukturierung durch Rituale und Rhythmen untersucht werden.

Anstösse

Die Vorschläge sind weder ausformuliert noch wird mit ihnen konkretes Unterrichtsmaterial geliefert, allerdings werden Hinweise auf entsprechende Kapitel in Lehrmitteln gegeben. Insgesamt sollen diese Hinweise der Lehrperson als Impulse und Denkanstösse dienen und sind aus diesem Grund zum Teil auch als Fragen formuliert.

Zyklus 1

Lichterfeste
Aspekte
  • Licht (hell und dunkel): Performatives wie z. B. Kerzen ziehen, Laternen basteln, Feier im Wald mit Suppe auf dem Feuer …
  • Verschiedene Lichterfeste: besonders günstig wären z. B. Chanukka, Divali und Weihnachten, da diese alle im Winterhalbjahr stattfinden.
  • Weihnachten als Ritual und Lichterfest: Was machen die Menschen oder meine Familie an Weihnachten? Welche verschiedenen Weihnachtstraditionen entdecken wir? Sowie: Bei weitem nicht alle Familien feiern Weihnachten.
  • Thematisierung der Wintersonnenwende (sol invictus): Die Bedeutung der Sonne für das Leben auf der Erde, Lieder für die Sonne
Lehrplan-Kompetenzen
  • NMG 12.3 a, b
  • NMG 12.4 a, b
  • NMG 12.5 a, b
Lehrmittel
  • Blickpunkt 1, S. 80–91.
Geburtsgeschichten und -rituale
Aspekte
  • Geschichte(n) erzählen: Geburtsgeschichten mit Bilderbüchern erzählen (z. B. die von Jesus, Muhammad und Siddharta)
  • Als ich geboren wurde: Was für ein Tag war es? Wie war das Wetter? Wer kam zu Besuch? Welche Geschenke wurden mir gemacht? (Evtl. «Zeigitag», an dem die Kinder ihre Geschenke mitbringen und vorstellen)
Lehrplan-Kompetenzen
  • NMG 12.2 a, b
  • NMG 12.3 b
  • NMG 12.4 a
Lehrmittel
  • Blickpunkt 1, S. 56f, 72–75, 88–91, 104f.
  • HimmelsZeichen: Geburtsgeschichten von Jesus, Siddharta und Mohammed

Zyklus 2

Geburtsgeschichten mit vereinfachten Originaltexten/Hagiographien
Aspekte
  • Vergleichendes Arbeiten mit den Texten. Allenfalls wäre ein Auftrag auch arbeitsteilig möglich. Im Zentrum stehen könnten: «Universelle» Aussage (z. B. Welche Gemeinsamkeiten haben die Geschichten? Worin unterscheiden sie sich? Warum sind die Geburtsgeschichten so phantastisch?)
  • Bemerkenswerte Szenen nachzeichnen oder Illustrationen der Texte mit verschiedenen Mitteln in BG, einen Comic zeichnen, ein Fingerkino machen, einen Trickfilm erstellen (Achtung Muhammad und Moses dürfen im Islam und im Judentum nicht gezeichnet werden, der Text darf aber verziert werden)
  • Diskussion darüber, ob solche Geschichten «realistisch» sein müssen (Was ist Glaube, was ist Wissen? Was sind Legenden, was Tatsachenberichte? Wozu dienen Legenden?)
Lehrplan-Kompetenzen
  • NMG 12.2 b, (c), d, e
Texte
  • Jesus: Weihnachten (Lukas 1–2, Matthäus1–2)
  • Moses: Geburt und Rettung (Exodus 2,1–10)
  • Muhammad: «Mawlid an-Nabi» (Iqd al-ǧawāhir «Juwelenhalsband»)
  • Siddhartha Gautama: «Vesakh» (Geburtslegende)
Weihnachten als Fest im Jahreskreis / als Fest unter vielen
Aspekte
  • Weihnachten in verschiedenen Kontexten: Länder, Konfessionen, Nachbarschaft: Z. B. Andere als die eigene Familien befragen, wie Weihnachten (nicht) gefeiert wird (z. B. könnten Videos hergestellt oder Portraits gestaltet werden
  • Säkulare Feste und Festzeiten, Festzeiten anderer Religionen: einen Festkalender der Religionen herstellen (Auswahl der Feste abhängig von lokalen Festtraditionen sowie der religiösen Zusammensetzung der Schülerschaft)
  • Schulfest oder Klassenfest: Was gehört zu einem Fest dazu? Warum feiern Menschen Feste?
Lehrplan-Kompetenzen
  • NMG 12.4 c, d
  • NMG 12.5 a, b, c
Lehrmittel
  • Blickpunkt 2, S. 11–31

Zyklus 3

Jüdisch-christlich: Messiasvorstellung und -erwartung
Aspekte
  • Wo wurde Jesus geboren: Nazareth oder Bethlehem?
  • B. historisch-kritische Teilanalyse der Geburtsgeschichte.
Lehrplan-Kompetenzen
  • ERG 4.1 a, b
Christologie
Aspekte
  • Botschaften Jesu untersuchen, Bibeltexte (z. B. Bergpredigt) oder Jesusfilme bearbeiten: Jesus als Superheld? Politiker? Sozialarbeiter? Perfekter Mensch? «Nachfolge Jesu» in Politik und Wirtschaft?
Lehrplan-Kompetenzen
  • ERG 4.1, c, d
Weihnachten aus Sicht anderer Religionszugehöriger / Atheisten / Agnostiker / Konfessionsloser
Aspekte
  • Eine Auswahl Religionsvertreter*innen oder/und areligiöse Personen werden z. B. zu ihrer Sicht auf Weihnachten befragt. Gespräche mit Muslim*innen zweiter Generation wären ebenfalls eine Möglichkeit (Muslimische Perspektive, respektive Perspektive nicht-christlich geprägter Schweizerinnen und Schweizer)
  • Geburtsgeschichte Jesu im Koran analysieren
  • (Religionskritik)
Lehrplan-Kompetenzen
  • ERG 4.5 c
Familie und Familienbilder, Konsum, Kulturkritik
Aspekte
  • Geschichte des Weihnachtsfests (historische Annäherung): Weihnachten als bürgerliches Familienfest des 19. Jahrhunderts aufschlüsseln
  • Werbeclips von Detailhändlern analysieren hinsichtlich Geschlechterrollen, Konsum, Weltbildern
Lehrplan-Kompetenzen
  • ERG 4.3 a, b

Zyklen übergreifend

Weihnachten ist zwar ein christliches Fest, dem die jüdisch-christliche Messiaserwartung zugrunde liegt. Dennoch lassen sich an Weihnachten menschliche Erfahrungen, Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen über das gute Leben festmachen, die man als genuin anthropologische Komponenten der Zeit vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag lesen und über alle drei Zyklen hinweg je unterschiedlich thematisieren könnte (vgl. oben: Szenario 3 «kulturell»: Advent und Weihnachten als «phänomenale» Zeit).

Lehrplan-Kompetenzen
  • NMG 11.1 a, b, c, d
  • ERG 1.1
Subversion: klein und machtlos sein, sich wehren
Aspekte
  • Zyklus 1 und 2: David vs. Goliath (aus dem Hause Davids) oder inhaltlich Ähnliches.
  • Zyklus 3: Aktuelle (politische) Debatten aufnehmen (momentan z. B. Fridays for Future, Stimmrechtsalter 16, Stimmrecht für in der Schweiz geborene «Ausländer*innen», Mitgestaltung an Schulkonventionen, etc.)
  • Arbeit mit zum Beispiel verschiedenen Kurzfilmen (der Stufe angepasst): Vertreibung, Selbstermächtigung, Selbstwirksamkeit, ausgelacht werden, Herrschaftskritik …
Friede, Hoffnung
Aspekte
  • Zyklus 1 und 2: Streit haben, sich etwas wünschen; was ist das gute Leben? Was bedeutet Hoffnung?
  • Zyklus 3: Was wird an Weihnachten beschrieben, besungen, erhofft? (Analyse von Filmen, Liedern, Karten etc.)
Erwartung u. Warten, Erfüllung
Aspekte
  • Zyklus 1: Warten auf ein grosses Fest, Aufregung, besondere Kleidung, Abzählen der Tage, Kalender basteln
  • Zyklus 2: Sparen des Taschengelds? Was wünsche ich mir, das in Erfüllungen gehen kann, was wird sich vielleicht nicht erfüllen?
  • Zyklus 3: Warten auf das Ende der Schulzeit? Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen für das eigene Leben.

Literatur

Bucher, Delf (2016): Weihnachtslieder gehören zur Schule, in: reformiert 12, S. 1, https://reformiert.info/admin/data/files/asset_file/file/934/161125_reformbe.pdf?lm=1597667001 (26.08.2022).
Bucher, Thomas (2019): Wenn Schulen Weihnachtslieder in der Adventszeit singen, in: Blog Schulführung, hrsg. v. Zentrum Management und Leadership (MAL) der Pädagogischen Hochschule Zürich, https://blog.phzh.ch/schulfuehrung/2019/12/09/wenn-schulen-weihnachtslieder-in-der-adventszeit-singen/ (26.08.2022).
Bundesverfassung: Glaubens- und Gewissensfreiheit (BV, Art. 15), https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_15 (26.08.2022).
Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH (Hrsg.) (2008): Die öffentliche Schule und die Religionen, Zürich, https://www.lch.ch/fileadmin/files_transfer/documents/Positionspapiere/081215_Schule_und_Religionen.pdf (26.08.2022).
Erziehungsdirektion des Kantons Bern (Hrsg.) (2009): Umgang mit kulturellen und religiösen Symbolen und Traditionen in Schule und Ausbildung. Leitfaden für Lehrpersonen des Kindergartens, der Volksschule und der Sekundarstufe II sowie für Ausbildungsverantwortliche, Schul- und Aufsichtsbehörden, Bern, https://www.erz.be.ch/erz/de/index/kindergarten_volksschule/kindergarten_volksschule/interkulturelle_bildung/religioese_symbole.html (26.08.2022).
Erziehungsdirektion des Kantons Bern (Hrsg) (2022): Lehrplan 21 für die Volksschulen des Kantons Bern, https://be.lehrplan.ch (26.08.2022).
Lehrmittelverlag des Kantons Zürich (Hrsg.) (2012–2019): Blickpunkt Religion und Kultur, 3 mehrteilige Bände, Zürich.
Schulverlag blmv (Hrsg.) (2009–2012): HimmelsZeichen. Geschichten aus den Religionen, 3 Teile, Bern.
Wüthrich, Christa (2019): Politikum um das W-Wort, in: Bildung Schweiz 12/2019, S. 17–19, https://www.lch.ch/fileadmin/user_upload_lch/BILDUNG_SCHWEIZ/2019/1912.pdf (26.08.2022).
Artikelnachweis
Kessler, Andreas / Hindle, Jacqueline / Gfeller, Sarah / Kuhl, Matthias / Studer, Andreas (2022): Advent und Weihnachten im Kontext Schule und ERG-Unterricht, in: erg.ch – Materialien für das Fach Ethik, Religionen, Gemeinschaft (Online-Publikation), www.ethik-religionen-gemeinschaft.ch/kessler-hindle-gfeller-kuhl-studer-advent-weihnachten/

Über Andreas Kessler

Andreas Kessler ist Dozent für Fachwissenschaft und Fachdidaktik «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» am Institut für die Sekundarstufe I der PHBern.

Über Jacqueline Hindle

Jacqueline Hindle, Studium der Geschichte und Religionswissenschaft, ist Gymnasiallehrerin und Mitarbeiterin des Fachbereichs Medien und Beratung Religion, Ethik, Lebenskunde (MBR) am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern.

Über Sarah Gfeller

Sarah Gfeller, Primarlehrerin und Psychologin, ist Co-Leiterin des Fachbereichs Medien und Beratung Religion, Ethik, Lebenskunde (MBR) am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern.

Über Matthias Kuhl

Matthias Kuhl ist Fachlehrer Religionslehre am Gymnasium Kirchenfeld Bern, Studienleiter und Lehrbeauftragter MA Religionslehre an der Universität Luzern sowie Co-Leiter des Fachbereichs Medien und Beratung Religion, Ethik, Lebenskunde (MBR) am Institut für Weiterbildung und Medienbildung der PHBern.

Über Andreas Studer

Andreas Studer ist Dozent für Fachwissenschaft und Fachdidaktik «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» am Institut für die Sekundarstufe I der PHBern.