Festtraditionen in Religionen und Zivilgesellschaft


Festtraditionen in Religionen und Zivilgesellschaft

Eine Unterrichtseinheit für den 3. Zyklus

Diese Unterrichtseinheit befasst sich mit Festtraditionen im Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus sowie in der Zivilgesellschaft. Am Beginn steht die Frage, weshalb man Feste feiert. Spielerisch werden Feste kennen gelernt, Vergleiche hergestellt und Erfahrungen mit Festtraditionen ausgetauscht. Im Anschluss stehen Veränderungen von Festtraditionen im Fokus. Die Lektionsreihe soll den Respekt gegenüber der Bedeutung von Festzeiten für (religiöse) Gemeinschaften fördern.
Von Mirjam Iseli

Lehrplanbezug

«Die Schülerinnen und Schüler können Festtraditionen charakterisieren und kulturell einordnen.» (LP21, ERG 4.3) – Diese im Lehrplan 21 aufgeführte Kompetenz für den 3. Zyklus soll in der hier vorgestellten Unterrichtseinheit im Zentrum stehen.

Fachliche Hinweise

Unter «Festtraditionen» werden in dieser Unterrichtseinheit – analog zum Lehrplan 21 – Feste im Jahreszyklus verstanden, im Gegensatz zu (Übergangs-) Ritualen im Lebenszyklus.

Die im Spiel «Reise durch Feste und Feiertage»[1] erwähnten Feste beruhen auf einer subjektiven Auswahl und erheben nicht den Anspruch vollständig zu sein. Zudem wurden aus praktischen Gründen nicht Feste aus allen religiösen Strömungen verwendet, sondern der Fokus auf die Feste der Zivilgesellschaft, des Judentums, Christentums, Islams, Hinduismus und Buddhismus gelegt. Je nach Unterrichtseinheit, in welche diese Sequenz eingebaut wird, kann natürlich auch auf weitere Feste innerhalb der einzelnen Traditionen eingegangen werden. So können z. B. die Bilder der Einstiegssequenz beliebig erweitert werden, um so weitere religiöse Traditionen zu berücksichtigen. So gibt es z. B. ein Bild zu Vaisakhi, einem Sikh-Fest.

Beim Vergleich der Religionen muss beachtet werden, dass die Kalender der einzelnen Traditionen unterschiedlich sind. So beruht der jüdische und christliche Kalender auf dem Sonnenjahr, der muslimische auf einem Mondkalender, der hinduistische und buddhistische auf einer Kombination zwischen Sonnen- und Mondkalender. Dies kann aber je nach Strömung innerhalb der einzelnen Traditionen variieren.

Beim Vergleich der einzelnen Feste der monotheistischen Religionen in den Jahreszeiten (Frühlingsfeste, Feste in der dunklen Jahreszeit) mit Festen im Hinduismus und Buddhismus muss den unterschiedlichen Jahreszeiten im asiatischen Raum (Monsunzeit) Rechnung getragen werden.

Überblick

Die Einheit umfasst eine zentrale Doppellektion, die wahlweise durch eine weitere Einzellektion sowie weitere zusätzliche Unterrichtsideen erweitert werden kann. Im Folgenden findet sich ein Überblick über die Unterrichtseinheit[2]:

Doppellektion
Einstieg/K1: Die Schülerinnen und Schüler können Festtraditionen charakterisieren und kulturell einordnen (ERG 4.3) und unterschiedliche Erfahrungen mit Festtraditionen austauschen (ERG 4.3a)
a) 5’ a) SuS ordnen die Bilder und erstellen Thesen.
b) 5’ b) Austausch der Thesen.
c) 10’ c) Diskussion anhand der zwei Fragen: Warum feiert man Feste? Zu welchen Anlässen gibt es Feste?
K2: Die Schülerinnen und Schüler können Festzeiten verschiedener Religionen vergleichen (ERG 4.3c)
a) 20’ a) SuS spielen das Spiel «Reise durch Feste und Feiertage»
b) 20′ b) SuS lösen während des Spielens das Arbeitsblatt. Schnelle SuS können das Materialblatt zum Wöchentlichen Feiertag lesen und das Arbeitsblatt damit ergänzen.
c) 20’ c) Vorträge der schnellen SuS: Ergänzen des Arbeitsblatts. Besprechen des Arbeitsblatts: Wo gibt es Fragen und Unklarheiten? Worin liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?
10′ Abschluss der Unterrichtssequenz: Rätsel zu den Festen

oder (wenn ERG 4.3c und ERG 4.3b in der nachfolgenden Lektion behandelt wird):

Erläuterung Hausaufgabe: Rechercheauftrag

Einzellektion
K3: Die Schülerinnen und Schüler respektieren die Bedeutung von Festzeiten für religiöse Gemeinschaften, kulturelle Minderheiten und die Gesellschaft (ERG 4.3c) und können an einem Beispiel beschreiben, wie sich Festtraditionen in Familie und Gesellschaft verändern und den Wandel kulturell einordnen (ERG 4.3b)
a) 15’ a) SuS stellen das von ihnen recherchierte Fest und die Ergebnisse aus den Gesprächen mit anderen Personen vor.
b) 10’ b) Zuhörende SuS stellen Verständnisfragen; anschliessend notieren SuS, worin sich das Feiern der Feste unterscheidet.
c) 5’ c) Besprechen im Plenum: Warum gibt es wohl solche Veränderungen/Unterschiede beim Feiern?
d) 15’ d) Zur Ergebnissicherung schreiben die SuS einen Hefteintrag zu ihrem recherchierten Fest

Alternative

c) 20’ c) K3 (ERG 4.3c und ERG 4.3b) könnte auch abstrakter an den Texten von Holi oder Halloween vertieft werden. Die Arbeitsaufträge befinden sich auf den Arbeitsblättern.
Weitere Unterrichtsideen
1) 90′ 1) Je nach Unterrichtsfokus können einzelne Feste vertieft werden, indem SuS ein Fest auswählen und dazu recherchieren, ein Plakat gestalten und dieses später der Klasse vorstellen. (ERG 4.3a und 4.3c)
2) je 5’ 2) Bestimmte Feste können anhand von Videobeispielen der SRF-Reihe «Bilder zum Feiertag» verdeutlicht und analysiert werden

Didaktischer Kommentar

Doppellektion

In einem Einstieg in die Unterrichtseinheit wird mit Bildern[3] gearbeitet und die Schülerinnen und Schüler versuchen, die auf den Bildern abgebildeten Feste zu charakterisieren und den verschiedenen Traditionen zuzuordnen. Zudem sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage befassen, weshalb man überhaupt Feste feiert und ihre Thesen notieren. Anhand der sich anschliessenden Bilderdiskussion soll auch die Frage besprochen werden, welche Feste die Schülerinnen und Schüler selbst feiern und aus welchen Gründen. Dadurch sollen sie ihre eigenen Erfahrungen mit Festtraditionen austauschen können. Dieser individuelle Bezug wird auch im folgenden Teil aufgenommen.

In einem zweiten Schritt befassen sich die Schülerinnen und Schüler anhand eines Spiels mit Festen im Jahreskreis der Zivilgesellschaft, des Judentums, Christentums, Islams, Hinduismus und Buddhismus. Spielerisch werden so verschiedene Feste kennengelernt und erste Vergleiche zwischen den Festen unterschiedlicher religiöser Traditionen angestellt. In Kleingruppen wird das Spiel gespielt, durch den Aktivitätenplan erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler ein Hintergrundwissen über verschiedene Feste.

Die Spielregeln entsprechen denen eines klassischen Brettspiels. Auf dem Spielfeld[4] sind die verschiedenen Festtraditionen kreisförmig angeordnet und verschieden farbig markiert, von Innen nach Aussen: Zivilgesellschaft, Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus. Die Spielfigur startet in der Mitte und zieht entsprechend der gewürfelten Augenzahl vorwärts. Die Spielfelder sind im Uhrzeigersinn angeordnet und sind von 1 bis 72 durchnummeriert. Der Kreis einer Festtradition wird jeweils am Jahresbeginn betreten, der durch einen senkrechten Strich gekennzeichnet ist (|1, |13, |25, |37, |49, |61). Wenn die Spielfigur auf ein mit dunkler fetter Zahl markiertes Feld gelangt, ist der Aktivitätenplan[5] zu konsultieren.

Anhand des Arbeitsblattes zum Spiel[6] werden die Vergleiche systematisiert und der eigene Bezug zu Festen vertieft. Der Fokus beim Arbeitsblatt liegt auf der Art und Weise, wie Feste begangen werden, der Zeitrechnung und den Unterschieden/Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen religiösen Traditionen. Anhand des Spielfeldes, das nach Monaten geordnet ist, kann Bezug auf die Verknüpfung von Jahreszeiten und Festen genommen werden (z. B. Lichterfeste in der dunklen Jahreszeit, Frühlingsfeste, etc.). Schnellere Schülerinnen und Schüler befassen sich des Weiteren nicht nur mit Festen im Jahreskreis, sondern auch mit wöchentlichen Festen[7], die sie anschliessend im Plenum vorstellen. Mit diesen Informationen wird das Arbeitsblatt zum Spiel vervollständigt. Die Unterrichtssequenz wird mit einem Rätsel über die Festtraditionen[8] abgeschlossen.

Je nach Wunsch und Zeit kann hier die Unterrichtssequenz beendet werden oder aber in einer dritten Lektion auf die Veränderung von Festen eingegangen werden (ERG 4.3b). Im diesem Fall sollte am Ende der Doppellektion als Hausaufgabe der Auftrag erteilt werden, ein Fest, das man gerne feiert, zu recherchieren[9].

Einzellektion

In der dritten Lektion steht die Frage im Zentrum, wie sich Feste im Laufe der Zeit verändert haben und wie man diese Veränderung einordnen kann (ERG 4.3b). In einer ersten Sequenz stellen die Schülerinnen und Schüler die von ihnen recherchierten Feste vor. Dadurch, dass dort «Lieblingsfeste» vorgestellt werden, wird die besondere Bedeutung von Festen betont und der gegenseitige Respekt gegenüber diesen gefördert. (ERG 4.3c) Da die Schülerinnen und Schüler in ihrem Vortrag auch immer erklären, wie die zum jeweiligen Fest befragten Personen das Fest feiern, werden schon erste Unterschiede beim Feiern aufgegriffen. In einem weiteren Schritt werden diese Unterschiede konkretisiert, indem sie von den Schülerinnen und Schüler an der Tafel notiert werden. In einer Diskussion werden die Gründe für diese Unterschiede besprochen und in Farbe an der Tafel notiert. Als Abschluss der Unterrichtssequenz gestalten die Schülerinnen und Schüler einen Hefteintrag zu ihrem Fest, in dem sie erklären, wie sie das Fest feiern, wie die Interviewten dies tun und wie man diese Unterschiede erklären könnte.

Weitere Unterrichtsideen

Alternativ könnte diese Unterrichtssequenz auch abstrakter anhand der Textbeispiele über Holi und Halloween durchgeführt werden. Nach der Lektüre der Texte können die Gründe für die Veränderungen von Festen besprochen werden. Die Arbeitsaufträge zu den Texten finden sich direkt auf den entsprechenden Arbeitsblättern[10].

Die Unterrichtseinheit kann mit zwei weiteren Möglichkeiten erweitert werden:

1) Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, sich vertieft mit einem bestimmten Fest auseinanderzusetzen. Durch eine Internetrecherche sollen die zentralen Elemente herausgefiltert und ein Plakat erstellt werden, das der Klasse vorgestellt wird. Je nach Unterrichtseinheit können die Schülerinnen und Schüler frei ein Fest wählen oder es werden ihnen bestimmte Feste oder eine religiöse Tradition vorgegeben.

2) Einzelne Feste können anhand von Filmausschnitten illustriert werden. So bietet die SRF-Reihe «Bilder zum Feiertag»[11] eine grosse Auswahl an Filmen zu Festen aus vielen religiösen Traditionen. Die Filmausschnitte dauern jeweils fünf Minuten.

Zusatzmaterial

Anmerkungen

[1] vgl. Zusatzmaterial: MB4 Spielfeld und MB5 Aktivitätenplan
[2] vgl. Zusatzmaterial: MB1 Lektionenplanung
[3] vgl. Zusatzmaterial: MB2 Bilder und MB3 Bild-Informationen
[4] vgl. Zusatzmaterial: MB4 Spielfeld
[5] vgl. Zusatzmaterial: MB5 Aktivitätenplan
[6] vgl. Zusatzmaterial: AB1 Feste und Feiertage
[7] vgl. Zusatzmaterial: MB6 Wöchentlicher Feiertag
[8] vgl. Zusatzmaterial: AB2 Rätsel
[9] vgl. Zusatzmaterial: AB3 Rechercheauftrag
[10] vgl. Zusatzmaterial: AB4 Holi und AB5 Halloween
Artikelnachweis
Iseli, Mirjam (2017): Festtraditionen in Religionen und Zivilgesellschaft. Eine Unterrichtseinheit für den 3. Zyklus, in: erg.ch – Materialien zum Fach Ethik, Religionen, Gemeinschaft (Online-Publikation), www.ethik-religionen-gemeinschaft.ch/iseli-festtraditionen/